Lindau – “Last chance to see”

Städte, die lebens- und liebenswerte Bestände an Grundstücken, Gebäuden und Ensemble “platt machen”, das gibt es zuhauf. Auch Lindau gehört dazu. Nur fotografisch kann man das noch “retten”.
Das sog. “Kutscherhaus” wurde “platt gemacht”, eine Schneise der Verwüstung deutet die irre Betonwanne schon an, die wir jetzt mit Blech gefüllt den Stau Richtung Insel birgt. “Rechtzeitig”, bevor eine die Sperrzeit für Baumfällungen und bevor evtl. wieder Fledermäuse im Kutscherhaus siedeln, wurden hier also “Fakten” geschaffen. Und zwar um eines Verkehrsprojektes willen, dass an Monstrosität, Hässlichkeit und Disfunktionalität in diesem Gebiet und dieser Kleinstadt kaum zu überbieten ist.

Der Denkmalschutz wurde ausgehebelt, der Ensembleschutz für Lindau als Gartenstadt scheint den Verantwortlichen in diesem Fall ein leicht zu opferndes Gut gewesen zu sein. Erstaunlich auch, dass anscheinend wohl noch nicht mal Anstrengungen von Seiten der Stadt unternommen wurden, einige interessante Denkmal-Teile zu erhalten und zu bewahren. So killt Lindau ein “halbes” Stadtviertel – und will sich doch bei der Landesgartenschau 2022 als “Gartenstadt” zeigen.

Die Geschichte auch einer Kleinstadt erscheint so als teil-korrumpiertes Schlachtfeld der Begehrlichkeiten und Bedürfnisse, ein Gerangel um ökologische, soziale und wirtschaftliche Nischen ist beobachtbar. Das abzubilden, ist immer ein doppelter Prozess: Einer des jeden Tag nötigen Abschiednehmens (vom gestrigen Tag) und einer des erwartungsvollen Blicks nach vorne – im Foto aber hält beides inne, in einer Art merkwürdigen “nunc stans”, das sich sofort verflüchtigt, kaum schnappt der Auslöser zurück – schon ist das Foto nur noch “Geschichte”.